Lyrik

BeGrenzung

 

Eine Entscheidung musste ich treffen

zwischen Gestern und Morgen,

dem Weinen und Lachen,

zwischen Pendeln und Flüchten,

hundert verschlissenen Sachen,

zwischen den Worten aus Zucker

und nächtlichen Gespenstern,

überschrittener Zeit der

inmitten von erblindeten Fenstern.

An meinen Zaun treten nur noch

gute Geister heran.

Die wagen

kein Darüber.

(April 2020)

 

Undankbar

 

Wir haben vergessen

dass wir gemeinsam reisen

durch diese eine Welt

die uns bewirtet

als wären wir die weisen

Gäste im Seidengewand

mit gutem Benehmen

guten Sinnen

Dabei vergessen wir

vor dem Ende

Das Beginnen.

 

 

Einmal

 

Wenn der Tag nur einmal

so still wäre wie die Nacht

wenn ich die Lichter gelöscht

und mich löse von Wortfontänen

falschen Wimpernschlägen

ausgedehnter Luft

schwadronierenden Ängsten

Menschengemacht

und ich mich endlich

mir selbst erklären kann

Nur einmal hätte ich

Grund und Boden.

Augenblicklich

 

Im Augenblick derer

die auf dieser Erde wandeln

sich tausend-einfältig rühmen

Genüsslich im Aschewasser baden

Machen, doch nicht handeln

 

Im Augenblick

derer die ihre Würde mit Schwefelsäure übergießen

sich in scheinbarer Gnade veratmen

mit Machtesschwertern rasseln

aus deren Zeitenwulst

Entkörperte aus der Erde sprießen

 

Im Augenblick

derer

die mit prunkvollen Mündern in die Hörner blasen

Sich himmel- und höllenwärts verbandeln

Mit Nobelkarossen trommelschlagend

in ein jäh zerbrechend, trauriges,

für alle Ende rasen

 

Im Augenblick

derer

sprechen wir

entschlossen

vom Heute.

Nicht

vom Irgendwann.

Erinnern

 

Ich kann nicht dein Leben

gelebt haben

wie du nicht meins

und inzwischen kramen wir

unsere Kinderfotos heraus

Versuchen uns zu erinnern

an die Schmetterlingsfiguren

im Schnee

Tut es uns weh?

Wenn wir unseren

alten Träumen aufspüren

und der Eltern

junge Gesichter

Ungeschminkt

die Mutter

mit auftuppiertem Haar

Wir versuchen uns zu erinnern

wie die Welt

noch für uns war.

Erzähl mir von denen

die deine Jahre

bewohnten

und im Gestern mit dir

von einem Teller aßen

und aus einer Flasche

tranken

und nie die Fäuste

gegen dich geballt.

Die sind jetzt kalt.

Versuchen wir uns zu erinnern?

(Foto: pixabay.com)

Singe

 

Singe hier, singe da, singe immer und wieder

liebliche Nachtigall

Singe

über das Moor hinweg

über finsterkalte Sümpfe

Dein Gesang ströme

über dumpfen Asphalt der Täglichkeit

über unvermenschte Wälder

feierliche Pracht der Sterne

Singe in herzensvolle Seelen

liebliche Nachtigall

du

sanftweise Komponistin

mit dem silberschönen Gefieder

Singe hier, singe da, singe immer und wieder

Singe hinein

in Gebrochene

Verzweifelte

in Zornverhüllte

Friedensferne

in Mutlose,

Liebesuchende,

in Todliebkosende

Vergiss sie nicht

Singe für jene

deren Hände ich hielt

und für die

deren Hände ich nie halten werde

Singe hier, singe da, singe immer und wieder.

Wenn dein Gesang verstummt

ertönt meine Stimme vom Weh.

Wenn ich Gott wäre

Ich bin ein Mensch
Doch
Wenn ich Gott wäre
Was würd ich alles richten!
Oh, was würde ich
tun mit diesen Wichten?
Verstand würd ich
ihnen lehren.
Zur Liebe würde ich sie
bekehren.

Ich bin ein Mensch
Doch
Wenn ich Gott wäre
Was würd ich alles richten
Nein, ich würde
nicht mehr dichten.
Ich würde die Erkenntnis
des Guten ihnen zeigen
damit Respekt und Achtung
ihnen wird zu eigen.

Ich bin ein Mensch
Doch
wenn ich Gott wäre
was würd ich alles richten!
Hass mit Liebe würde
ich vernichten
Oh, und das Leben wäre
diesen Erdenzwergen allzu
leicht
Wenn man es nicht
mit Zwängen nur vergleicht.

Ich bin ein Mensch
Doch
Wenn ich Gott wäre
Was würd ich alles richten
Dem Teufel müsst ich mich
verpflichten
Oh, und wenn er zu mir
als Engel käme wieder
Blieb ich lieber Mensch.
Und das wär mir zuwider!

( Auszug aus dem Manuskript „Als die Amsel verstummte“)